The Project Gutenberg EBook of Traum und Telepathie, by Sigmund Freud

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Title: Traum und Telepathie
       Vortrag in der Wiener psychoanalytischen Vereinigung

Author: Sigmund Freud

Release Date: March 8, 2010 [EBook #31560]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TRAUM UND TELEPATHIE ***




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  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift fr Anwendung der
    Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften VIII (1922). S.1-22.

    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen;
    lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
    der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes.

    Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
  ]




Traum und Telepathie.

(Vortrag in der Wiener psychoanalytischen Vereinigung.)

Von SIGM. FREUD.


Eine Ankndigung wie die meinige mu in diesen Zeiten, die so voll sind
von Interesse fr die sogenannt _okkulten_ Phnomene, ganz bestimmte
Erwartungen erwecken. Ich beeile mich also, diesen zu widersprechen.
Sie werden aus meinem Vortrag nichts ber das Rtsel der Telepathie
erfahren, nicht einmal Aufschlu darber erhalten, ob ich an die
Existenz einer Telepathie glaube oder nicht. Ich habe mir hier die
sehr bescheidene Aufgabe gestellt, das Verhltnis der telepathischen
Vorkommnisse, welcher Herkunft immer sie sein mgen, zum Traum, genauer:
zu unserer Theorie des Traumes, zu untersuchen. Es ist Ihnen bekannt,
da man die Beziehung zwischen Traum und Telepathie gemeinhin fr eine
sehr innige hlt; ich werde vor Ihnen die Ansicht vertreten, da die
beiden wenig miteinander zu tun haben, und da, wenn die Existenz
telepathischer Trume sichergestellt wrde, dies an unserer Auffassung
des Traumes nichts zu ndern brauchte.

Das Material, das dieser Mitteilung zugrunde liegt, ist sehr klein. Ich
mu vor allem meinem Bedauern Ausdruck geben, da ich nicht wie damals,
als ich die Traumdeutung (1900) schrieb, an eigenen Trumen arbeiten
konnte. Aber ich habe nie einen telepathischen Traum gehabt. Nicht
etwa, da es mir an Trumen gefehlt htte, welche die Mitteilung
enthielten, an einem gewissen entfernten Ort spiele sich ein bestimmtes
Ereignis ab, wobei es der Auffassung des Trumers berlassen ist, zu
entscheiden, ob das Ereignis eben jetzt eintrete oder zu irgend einer
spteren Zeit; auch Ahnungen entfernter Vorgnge mitten im Wachleben
habe ich oft versprt, aber alle diese Anzeigen, Vorhersagen und
Ahnungen sind, wie wir uns ausdrcken: nicht eingetroffen; es zeigte
sich, da ihnen keine uere Realitt entsprach, und sie muten darum
als rein subjektive Erwartungen aufgefat werden.

Ich habe z.B. einmal whrend des Krieges getrumt, da einer meiner an
der Front befindlichen Shne gefallen sei. Der Traum sagte dies nicht
direkt, aber doch unverkennbar, er drckte es mit den Mitteln der
bekannten, zuerst von _W. Stekel_ angegebenen Todessymbolik aus.
(Versumen wir nicht, hier die oft unbequeme Pflicht literarischer
Gewissenhaftigkeit zu erfllen!) Ich sah den jungen Krieger an einem
Landungssteg stehen, an der Grenze von Land und Wasser; er kam mir sehr
bleich vor, ich sprach ihn an, er aber antwortete nicht. Dazu kamen
andere nicht miverstndliche Anspielungen. Er trug nicht militrische
Uniform, sondern ein Skifahrerkostm, wie er es bei seinem schweren
Skiunfall mehrere Jahre vor dem Krieg getragen hatte. Er stand auf einer
schemelartigen Erhhung vor einem Kasten, welche Situation mir die
Deutung des Fallens mit Hinsicht auf eine eigene Kindheitserinnerung
nahe legen mute, denn ich selbst war als Kind von wenig mehr als zwei
Jahren auf einen solchen Schemel gestiegen, um etwas von einem Kasten
herunterzuholen -- wahrscheinlich etwas Gutes -- bin dabei umgefallen
und habe mir eine Wunde geschlagen, deren Spur ich noch heute zeigen
kann. Mein Sohn aber, den jener Traum totsagte, ist heil aus den
Gefahren des Krieges zurckgekehrt.

Vor kurzem erst habe ich einen anderen Unheil verkndenden Traum gehabt,
ich glaube, es war, unmittelbar ehe ich mich zur Abfassung dieser
kleinen Mitteilung entschlo; diesmal war nicht viel Verhllung
aufgewendet worden; ich sah meine beiden in England lebenden Nichten,
sie waren schwarz gekleidet und sagten mir: am Donnerstag haben wir sie
begraben. Ich wute, da es sich um den Tod ihrer jetzt
siebenundachtzigjhrigen Mutter, der Frau meines verstorbenen ltesten
Bruders, handle.

Es gab natrlich eine Zeit peinlicher Erwartung bei mir; das pltzliche
Ableben einer so alten Frau wre ja nichts berraschendes und es wre
doch so unerwnscht, wenn mein Traum gerade mit diesem Ereignis
zusammentrfe. Aber der nchste Brief aus England zerstreute diese
Befrchtung. Fr alle diejenigen, welche um die Wunschtheorie des
Traumes besorgt sind, will ich die beruhigende Versicherung einschalten,
da es der Analyse nicht schwer geworden ist, auch fr diese Todestrume
die zu vermutenden unbewuten Motive aufzudecken.

Unterbrechen Sie mich jetzt nicht mit dem Einwand, da solche Mitteilungen
wertlos sind, weil negative Erfahrungen hier so wenig, wie auf anderen
minder okkulten Gebieten, irgend etwas beweisen knnen. Ich wei das
auch selbst und habe diese Beispiele auch gar nicht in der Absicht
angefhrt, um einen Beweis zu geben oder eine bestimmte Einstellung bei
Ihnen zu erschleichen. Ich wollte nur die Einschrnkung meines Materials
rechtfertigen.

Bedeutsamer erscheint mir allerdings eine andere Tatsache, da ich
nmlich whrend meiner ungefhr siebenundzwanzigjhrigen Ttigkeit als
Analytiker niemals in die Lage gekommen bin, bei einem meiner Patienten
einen richtigen telepathischen Traum mitzuerleben. Die Menschen, an
denen ich arbeitete, waren doch eine gute Sammlung von schwer
neuropathischen und hochsensitiven Naturen; viele unter ihnen haben
mir die merkwrdigsten Vorkommnisse aus ihrem frheren Leben erzhlt,
auf die sie ihren Glauben an geheimnisvolle okkulte Einflsse sttzten.
Ereignisse wie Unflle, Erkrankungen naher Angehriger, insbesondere
Todesflle eines Elternteiles, haben sich whrend der Kur oft genug
zugetragen und dieselbe unterbrochen, aber nicht ein einziges Mal
verschafften mir diese ihrem Wesen nach so geeigneten Zuflle die
Gelegenheit, eines telepathischen Traumes habhaft zu werden, obwohl die
Kur sich ber halbe, ganze Jahre und eine Mehrzahl von Jahren ausdehnte.
Um die Erklrung dieser Tatsache, die wiederum eine Einschrnkung meines
Materials mit sich bringt, mge sich bemhen, wer immer will. Sie werden
sehen, da sie selbst fr den Inhalt meiner Mitteilung nicht in Betracht
kommt.

Ebensowenig kann mich die Frage in Verlegenheit bringen, warum ich nicht
aus der reichen Flle der in der Literatur niedergelegten telepathischen
Trume geschpft habe. Ich htte nicht lange zu suchen gehabt, da mir
die Verffentlichungen der englischen wie der amerikanischen Society for
Psychical Research als deren Mitglied zu Gebote stehen. In all diesen
Mitteilungen wird eine analytische Wrdigung der Trume, wie sie uns in
erster Linie interessieren mu, niemals versucht[1]. Anderseits werden
Sie bald einsehen, da den Absichten dieser Mitteilung auch durch ein
einziges Traumbeispiel Genge geleistet wird.

  [1] In zwei Schriften des oben genannten Autors _W. Stekel_ (Der
  telepathische Traum, Berlin, ohne Jahreszahl und Die Sprache des
  Traumes, zweite Auflage 1922) finden sich wenigstens Anstze zur
  Anwendung der analytischen Technik auf angeblich telepathische Trume.
  Der Autor bekennt sich zum Glauben an die Realitt der Telepathie.

Mein Material besteht also einzig und allein aus zwei Berichten, die ich
von Korrespondenten aus Deutschland erhalten habe. Die Betreffenden sind
mir persnlich nicht bekannt, sie geben aber Namen und Wohnort an; ich
habe nicht den mindesten Grund an eine irrefhrende Absicht der
Schreiber zu glauben.

I. Mit dem einen der beiden stand ich schon frher in Briefverkehr; er
war so liebenswrdig, mir, wie es auch viele andere Leser tun,
Beobachtungen aus dem Alltagsleben und hnliches mitzuteilen. Diesmal
stellt der offenbar gebildete und intelligente Mann mir sein Material
ausdrcklich zur Verfgung, wenn ich es literarisch verwerten wollte.

Sein Brief lautet:

    Nachstehenden Traum halte ich fr interessant genug, um ihn Ihnen
    als Material fr Ihre Studien zu liefern.

    Vorausschicken mu ich: Meine Tochter, die in _Berlin_ verheiratet
    ist, erwartet Mitte Dezember d.J. ihre erste Niederkunft. Ich
    beabsichtige, mit meiner (zweiten) Frau, der Stiefmutter meiner
    Tochter, um diese Zeit nach Berlin zu fahren. In der Nacht vom 16.
    auf 17. November trume ich, und zwar so lebhaft und anschaulich wie
    sonst nie, da meine Frau Zwillinge geboren hat. Ich sehe die beiden
    prchtig ausschauenden Kinder mit ihren roten Pausbacken deutlich
    nebeneinander in ihrem Bettchen liegen, das Geschlecht stelle ich
    nicht fest, das eine mit semmelblondem Haar trgt deutlich meine
    Zge, gemischt mit Zgen meiner Frau, das andere mit kastanienbraunem
    Haar, trgt deutlich die Zge meiner Frau, gemischt mit Zgen von
    mir. Ich sage zu meiner Frau, die rotblondes Haar hat, wahrscheinlich
    wird das kastanienbraune Haar deines Kindes spter auch rot
    werden. Meine Frau gibt den Kindern die Brust. Sie hatte in einer
    Waschschssel Marmelade gekocht (auch Traum) und beide Kinder
    klettern auf allen vieren in der Schssel herum und lecken sie aus.

    Dies der Traum. Vier- oder fnfmal bin ich dabei halb erwacht, frage
    mich, ob es wahr ist, da wir Zwillinge bekommen haben, komme aber
    doch nicht mit voller Sicherheit zu dem Ergebnis, da ich nur
    getrumt habe. Der Traum dauert bis zum Erwachen und auch danach
    dauert es eine Weile, bis ich mir ber die Wahrheit klar geworden
    bin. Beim Kaffee erzhle ich meiner Frau den Traum, der sie sehr
    belustigt. Sie meint: Ilse (meine Tochter) wird doch nicht etwa
    Zwillinge bekommen? Ich erwidere: Das kann ich mir kaum denken, denn
    weder in meiner noch in Gs. (ihres Mannes) Familie sind Zwillinge
    heimisch. Am 18. November frh zehn Uhr erhalte ich ein nachmittags
    vorher aufgegebenes Telegramm meines Schwiegersohnes, in dem er mir
    die Geburt von Zwillingen, eines Knaben und eines Mdchens anzeigt.
    Die Geburt ist also in der Zeit vor sich gegangen, wo ich trumte,
    da meine Frau Zwillinge bekommen habe. Die Niederkunft ist vier
    Wochen frher erfolgt, als wir alle auf Grund der Vermutungen meiner
    Tochter und ihres Mannes annahmen.

    Und nun weiter: In der nchsten Nacht trume ich, meine verstorbene
    Frau, die Mutter meiner Tochter, habe achtundvierzig neugeborene
    Kinder in Pflege genommen. Als das erste Dutzend eingeliefert wird,
    protestiere ich. Damit endet der Traum.

    Meine verstorbene Frau war sehr kinderlieb. Oft sprach sie davon,
    da sie eine ganze Schar um sich haben mchte, je mehr desto
    lieber, da sie sich als Kindergrtnerin ganz besonders eignen
    und wohlfhlen wrde. Kinderlrm und Geschrei war ihr Musik.
    Gelegentlich lud sie auch einmal eine ganze Schar Kinder aus der
    Strae und traktierte sie auf dem Hof unserer Villa mit Schokolade
    und Kuchen. Meine Tochter hat nach der Entbindung und besonders nach
    der berraschung durch das vorzeitige Eintreten, durch die Zwillinge
    und die Verschiedenheit des Geschlechts gewi gleich an ihre Mutter
    gedacht, von der sie wute, da sie das Ereignis mit lebhafter
    Freude und Anteilnahme aufnehmen werde. Was wrde erst Mutti sagen,
    wenn sie jetzt an meinem Wochenbett stnde? Dieser Gedanke ist ihr
    zweifellos durch den Kopf gegangen. Und ich trume nun diesen Traum
    von meiner verstorbenen ersten Frau, von der ich sehr selten trume,
    nach dem ersten Traum aber auch nicht gesprochen und mit keinem
    Gedanken an sie gedacht habe.

    Halten Sie das Zusammentreffen von Traum und Ereignis in beiden
    Fllen fr Zufall? Meine Tochter, die sehr an mir hngt, hat in
    ihrer schweren Stunde sicher besonders an mich gedacht, wohl auch,
    weil ich oft mit ihr ber Verhalten in der Schwangerschaft
    korrespondiert und ihr immer wieder Ratschlge gegeben habe.

Es ist leicht zu erraten, was ich auf diesen Brief antwortete. Es tat
mir leid, da auch bei meinem Korrespondenten das analytische Interesse
vom telepathischen so vllig erschlagen worden war; ich lenkte also von
seiner direkten Frage ab, bemerkte, da der Traum auch sonst noch
allerlei enthielt, auer seiner Beziehung zur Zwillingsgeburt, und bat,
mir jene Ausknfte und Einflle mitzuteilen, die mir eine Deutung des
Traumes ermglichen knnten.

Daraufhin erhielt ich den nachstehenden zweiten Brief, der meine Wnsche
freilich nicht ganz befriedigte:

    Erst heute komme ich dazu, Ihren freundlichen Brief vom 24. d.M.
    zu beantworten. Ich will Ihnen gern lckenlos und rckhaltlos alle
    Assoziationen, auf die ich komme, mitteilen. Leider ist es nicht
    viel geworden, bei einer mndlichen Aussprache kme mehr heraus.

    Also! Meine Frau und ich wnschen uns keine Kinder mehr. Wir
    verkehren auch so gut wie gar nicht geschlechtlich miteinander,
    wenigstens lag zur Zeit des Traumes keinerlei Gefahr vor. Die
    Niederkunft meiner Tochter, die Mitte Dezember erwartet wurde, war
    natrlich fter Gegenstand unserer Unterhaltung. Meine Tochter
    war im Sommer untersucht und gerntgt worden, dabei stellte der
    Untersuchende fest, da es ein Junge werde. Meine Frau uerte
    gelegentlich: Ich wrde lachen, wenn es nun doch ein Mdchen
    wrde. Sie meinte auch gelegentlich, es wre besser, wenn es ein
    H. als ein G. (Name meines Schwiegersohnes) wrde, meine Tochter
    ist hbscher und stattlicher in der Figur als mein Schwiegersohn,
    obgleich er Marineoffizier war. Ich beschftigte mich mit
    Vererbungsfragen und habe die Gewohnheit, mir kleine Kinder darauf
    anzusehen, wem sie gleichen. Noch eins! Wir haben ein kleines
    Hndchen, das abends mit am Tisch sitzt, sein Futter bekommt und
    Teller und Schsseln ausleckt. All dieses Material kehrt im Traum
    wieder.

    Ich habe kleine Kinder gern und schon oft gesagt, ich mchte noch
    einmal so ein Wesen aufziehen, jetzt wo man es mit sehr viel mehr
    Verstndnis, Interesse und Ruhe vermag, aber mit meiner Frau, die
    nicht die Fhigkeiten zur vernnftigen Erziehung eines Kindes
    besitzt, mchte ich keins zusammen haben. Nun beschert mir der Traum
    zwei -- das Geschlecht habe ich nicht festgestellt. Ich sehe sie
    noch heute im Bett liegen und erkenne scharf die Zge, das eine
    mehr Ich, das andere mehr meine Frau, jedes aber kleine Zge vom
    andern Teil. Meine Frau hat rotblondes Haar, eines der Kinder aber
    kastanien(rotes)braunes. Ich sage: Na, das wird spter auch
    noch rot werden. Die beiden Kinder kriechen in einer groen
    Waschschssel, in der meine Frau Marmelade gerhrt hat, herum und
    lecken den Boden und die Rnder ab (Traum). Die Herkunft dieses
    Details ist leicht erklrlich, wie der Traum berhaupt nicht schwer
    verstndlich und deutbar ist, wenn er nicht mit dem wider Erwarten
    frhen Eintreten der Geburt meiner Enkel (drei Wochen zu frh)
    zeitlich fast auf die Stunde (genau kann ich nicht sagen, wann der
    Traum begann, um neun und viertel zehn wurden meine Enkel geboren,
    um elf etwa ging ich zu Bett und nachts trumte ich) zusammengetroffen
    wre und wir nicht schon vorher gewut htten, da es ein Junge
    werden wrde. Freilich kann wohl der Zweifel, ob die Feststellung
    richtig gewesen sei -- Junge oder Mdchen -- im Traume Zwillinge
    auftreten lassen, es bleibt aber immer noch das zeitliche
    Zusammentreffen des Traumes von den Zwillingen mit dem unerwarteten
    und drei Wochen zu frhen Eintreffen von Zwillingen bei meiner
    Tochter.

    Es ist nicht das erste Mal, da Ereignisse in der Ferne sich mir
    bewut machen, ehe ich die Nachricht erhalte. Eines unter
    zahlreichen! Im Oktober besuchten mich meine drei Brder. Wir haben
    uns seit dreiig Jahren nicht wieder zusammen (der eine den andern
    natrlich fter) gesehen, nur einmal ganz kurz beim Begrbnis meines
    Vaters und dem meiner Mutter. Beider Tod war zu erwarten, in keinem
    Falle habe ich vorgefhlt. Aber als vor zirka fnfundzwanzig
    Jahren mein jngster Bruder im zehnten Lebensjahr pltzlich und
    unerwartet starb, kam mir, als mir der Briefbote die Postkarte mit
    der Nachricht von seinem Tode bergab, ohne da ich einen Blick
    darauf geworfen hatte, sofort der Gedanke: Da steht darauf, da dein
    Bruder gestorben ist. Er war doch allein im Elternhaus, ein
    krftiger gesunder Bub, whrend wir vier lteren Brder alle vom
    Elternhaus schon flgge geworden und abwesend waren. Zufllig kam
    das Gesprch beim Besuch meiner Brder jetzt auf dieses mein
    Erlebnis damals, und alle drei Brder kamen nun wie auf Kommando
    mit der Erklrung heraus, da ihnen damals genau dasselbe passiert
    sei wie mir. Ob auf dieselbe Weise, kann ich nicht mehr sagen,
    jedenfalls erklrte jeder, den Tod vorher als Gewiheit im Gefhl
    gehabt zu haben, ehe die bald darauf eintreffende und gar nicht zu
    erwartende Nachricht ihn angezeigt hatte. Wir sind alle vier von
    Mutters Seite her sensible Naturen, groe krftige Menschen dabei,
    aber keiner etwa spiritistisch oder okkultistisch angehaucht, im
    Gegenteil, wir lehnen beides entschieden ab. Meine Brder sind alle
    drei Akademiker, zwei Gymnasiallehrer, einer Oberlandmesser, eher
    Pedanten als Phantasten. -- Das ist alles, was ich Ihnen zum Traum
    zu sagen wei. Wenn Sie ihn etwa literarisch verwerten wollen,
    stelle ich ihn gern zur Verfgung.

Ich mu befrchten, da Sie sich hnlich verhalten werden wie der
Schreiber der beiden Briefe. Auch Sie werden sich vor allem dafr
interessieren, ob man diesen Traum wirklich als eine telepathische
Anzeige der unerwarteten Zwillingsgeburt auffassen darf, und gar nicht
dazu geneigt sein, ihn wie einen anderen der Analyse zu unterziehen.
Ich sehe voraus, da es immer so sein wird, wenn Psychoanalyse und
Okkultismus zusammenstoen. Die erstere hat sozusagen alle seelischen
Instinkte gegen sich, dem letzteren kommen starke, dunkle Sympathien
entgegen. Ich werde aber nicht den Standpunkt einnehmen, ich sei nichts
als ein Psychoanalytiker, die Fragen des Okkultismus gehen mich nichts
an; das wrden Sie doch nur als Problemflchtigkeit beurteilen. Sondern,
ich behaupte, da es mir ein groes Vergngen wre, wenn ich mich und
andere durch untadelige Beobachtungen von der Existenz telepathischer
Vorgnge berzeugen knnte, da aber die Mitteilungen zu diesem Traum
viel zu unzulnglich sind, um eine solche Entscheidung zu rechtfertigen.
Sehen Sie, dieser intelligente und an den Problemen seines Traumes
interessierte Mann denkt nicht einmal daran, uns anzugeben, wann er die
ein Kind erwartende Tochter zuletzt gesehen oder welche Nachrichten er
krzlich von ihr erhalten; er schreibt im ersten Brief, da die Geburt
um einen Monat verfrht kam, im zweiten sind es aber nur drei Wochen
und in keinem erhalten wir Auskunft darber, ob die Geburt wirklich
vorzeitig erfolgte, oder ob sich die Beteiligten, wie es so hufig
vorkommt, verrechnet hatten. Von diesen und anderen Details der
Begebenheit wrden wir aber abhngen, wenn wir die Wahrscheinlichkeit
eines dem Trumer unbewuten Abschtzens und Erratens zu erwgen htten.
Ich sagte mir auch, es wrde nichts ntzen, wenn ich auf einige solcher
Anfragen Antwort bekme. Im Laufe des angestrebten Beweisverfahrens
wrden doch immer neue Zweifel auftauchen, die nur beseitigt werden
knnten, wenn man den Mann vor sich htte und alle die dazugehrigen
Erinnerungen bei ihm auffrischen wrde, die er vielleicht als
unwesentlich beiseite geschoben hat. Er hat gewi Recht, wenn er zu
Anfang seines zweiten Briefes sagt, bei einer mndlichen Aussprache wre
mehr herausgekommen.

Denken Sie an einen anderen, hnlichen Fall, an dem das strende
okkultistische Interesse gar keinen Anteil hat. Wie oft sind Sie in die
Lage gekommen, die Anamnese und den Krankheitsbericht, den Ihnen ein
beliebiger Neurotiker in der ersten Besprechung gab, mit dem zu
vergleichen, was Sie nach einigen Monaten Psychoanalyse von ihm erfahren
haben. Von der begreiflichen Verkrzung abgesehen, wieviel wesentliche
Mitteilungen hat er ausgelassen oder unterdrckt, wieviel Beziehungen
verschoben, im Grunde: wieviel Unrichtiges und Unwahres hat er Ihnen das
erste Mal erzhlt! Ich glaube, Sie werden mich nicht fr berbedenklich
erklren, wenn ich unter den uns vorliegenden Verhltnissen es ablehne,
darber zu urteilen, ob der uns mitgeteilte Traum einer telepathischen
Tatsache entspricht oder einer besonders feinen unbewuten Leistung des
Trumers oder einfach als ein zuflliges Zusammentreffen hingenommen
werden mu. Unsere Wibegierde werden wir auf eine sptere Gelegenheit
vertrsten, in der uns eine eingehende, mndliche Ausforschung des
Trumers vergnnt sein mag. Sie knnen aber nicht sagen, da dieser
Ausgang unserer Untersuchung Sie enttuscht hat, denn ich hatte Sie
darauf vorbereitet, Sie wrden nichts erfahren, was auf das Problem der
Telepathie Licht wirft.

Wenn wir jetzt zur analytischen Behandlung dieses Traumes bergehen, so
mssen wir von neuem unser Mivergngen bekennen. Das Material von
Gedanken, die der Trumer an den manifesten Trauminhalt anknpft, ist
wiederum ungengend; damit knnen wir keine Traumanalyse machen. Der
Traum verweilt z.B. ausfhrlich bei der hnlichkeit der Kinder mit den
Eltern, errtert deren Haarfarbe und die voraussichtliche Wandlung
derselben in spteren Zeiten, und zur Aufklrung dieser breit
ausgesponnenen Details haben wir nur die drftige Auskunft des Trumers,
er habe sich immer fr Fragen der hnlichkeit und Vererbung
interessiert; da sind wir doch gewohnt, weitergehende Ansprche zu
stellen! Aber an _einer_ Stelle gestattet der Traum eine analytische
Deutung, gerade hier kommt die Analyse, die sonst nichts mit dem
Okkultismus zu tun hat, der Telepathie in merkwrdiger Weise zur Hilfe.
Dieser einen Stelle wegen nehme ich berhaupt Ihre Aufmerksamkeit fr
diesen Traum in Anspruch.

Wenn Sie es recht ansehen, so hat ja dieser Traum auf den Namen eines
telepathischen gar kein Anrecht. Er teilt dem Trumer nichts mit, was
sich -- seinem sonstigen Wissen entzogen -- gleichzeitig an einem
anderen Orte vollzieht, sondern was der Traum erzhlt, ist etwas ganz
anderes als das Ereignis, von dem ein Telegramm am zweiten Tag nach der
Traumnacht berichtet. Traum und Ereignis weichen in einem ganz besonders
wichtigen Punkt voneinander ab, nur stimmen sie, von der Gleichzeitigkeit
abgesehen, in einem anderen, sehr interessanten Element zusammen. Im
Traum hat die _Frau_ des Trumers Zwillinge bekommen. Das Ereignis besteht
aber darin, da seine entfernt lebende _Tochter_ Zwillinge geboren hat.
Der Trumer bersieht diesen Unterschied nicht, er scheint keinen Weg zu
kennen, ber ihn hinwegzukommen, und da er nach seiner eigenen Angabe
keine okkultistische Vorliebe hat, fragt er nur ganz schchtern an, ob
das Zusammentreffen von Traum und Ereignis im Punkte der Zwillingsgeburt
mehr als ein Zufall sein kann. Die psychoanalytische Traumdeutung hebt
aber diesen Unterschied zwischen Traum und Ereignis auf und gibt beiden
den nmlichen Inhalt. Ziehen wir das Assoziationsmaterial zu diesem
Traum zu Rate, so zeigt es uns trotz seiner Sprlichkeit, da hier eine
innige Gefhlsbindung zwischen Vater und Tochter besteht, eine
Gefhlsbindung, die so gewhnlich und natrlich ist, da man aufhren
sollte, sich ihrer zu schmen, die im Leben gewi nur als zrtliches
Interesse zum Ausdruck kommt und ihre letzten Konsequenzen erst im
Traume zieht. Der Vater wei, da die Tochter sehr an ihm hngt, er ist
berzeugt, da sie in ihrer schweren Stunde viel an ihn gedacht hat;
ich meine, im Grunde gnnt er sie dem Schwiegersohn nicht, den er im
Briefe mit einigen abschtzigen Bemerkungen streift. Beim Anla ihrer
(erwarteten oder telepathisch vernommenen) Niederkunft wird im
Verdrngten der unbewute Wunsch rege: Sie sollte lieber meine (zweite)
Frau sein, und dieser Wunsch ist es, der den Traumgedanken entstellt
und den Unterschied zwischen dem manifesten Trauminhalt und dem Ereignis
verschuldet. Wir haben das Recht, fr die zweite Frau im Traume die
Tochter einzusetzen. Besen wir mehr Material zum Traum, so wrden wir
diese Deutung gewi versichern und vertiefen knnen.

Und nun bin ich bei dem, was ich Ihnen zeigen wollte. Wir haben uns der
strengsten Unparteilichkeit bemht und zwei Auffassungen des Traumes als
gleich mglich und gleich unbewiesen gelten gelassen. Nach der ersten
ist der Traum die Reaktion auf eine telepathische Botschaft: Deine
Tochter bringt eben jetzt Zwillinge zur Welt. Nach der zweiten liegt ihm
eine unbewute Gedankenarbeit zugrunde, die sich etwa derart bersetzen
liee: Heute ist ja der Tag, an dem die Entbindung eintreten mte, wenn
sich die jungen Leute in Berlin wirklich um einen Monat verrechnet
haben, wie ich eigentlich glaube. Und wenn meine (erste) Frau noch leben
wrde, die wre doch mit _einem_ Enkelkind nicht zufrieden! Fr sie
mten es mindestens Zwillinge sein. Hat diese zweite Auffassung Recht,
so entstehen keine neuen Probleme fr uns. Es ist eben ein Traum wie ein
anderer. Zu den erwhnten (vorbewuten) Traumgedanken ist der (unbewute)
Wunsch hinzugetreten, da keine andere als die Tochter die zweite Frau
des Trumers htte werden sollen, und so ist der uns mitgeteilte
manifeste Traum entstanden.

Wollen Sie aber lieber annehmen, da die telepathische Botschaft von der
Entbindung der Tochter an den Schlafenden herangetreten ist, so erheben
sich neue Fragen nach der Beziehung einer solchen Botschaft zum Traum
und nach ihrem Einflu auf die Traumbildung. Die Antwort liegt dann sehr
nahe und ist ganz eindeutig zu geben. Die telepathische Botschaft wird
behandelt wie ein Stck des Materials zur Traumbildung, wie ein anderer
Reiz von auen oder innen, wie ein strendes Gerusch von der Strae,
wie eine aufdringliche Sensation von einem Organ des Schlafenden. In
unserem Beispiel ist es ersichtlich, wie sie mit Hilfe eines lauernden,
verdrngten Wunsches zur Wunscherfllung umgearbeitet wird, und leider
weniger deutlich zu zeigen, da sie mit anderem gleichzeitig rege
gewordenem Material zu einem Traum verschmilzt. Die telepathische
Botschaft -- wenn eine solche wirklich anzuerkennen ist -- kann also an
der Traumbildung nichts ndern, die Telepathie hat mit dem Wesen des
Traumes nichts zu tun. Und um den Eindruck zu vermeiden, da ich hinter
einem abstrakten und vornehm klingenden Wort eine Unklarheit verbergen
mchte, bin ich bereit zu wiederholen: Das Wesen des Traumes besteht in
dem eigentmlichen Proze der Traumarbeit, welcher vorbewute Gedanken
(Tagesreste) mit Hilfe einer unbewuten Wunschregung in den manifesten
Trauminhalt berfhrt. Das Problem der Telepathie geht aber den Traum so
wenig an wie das Problem der Angst.

Ich hoffe, Sie werden das zugeben, mir aber bald einwenden, es gibt doch
auch andere telepathische Trume, in denen kein Unterschied zwischen
Ereignis und Traum besteht, und in denen nichts anders zu finden ist
als die unentstellte Wiedergabe des Ereignisses. Ich kenne solche
telepathische Trume wieder nicht aus eigener Erfahrung, wei aber,
da sie hufig berichtet worden sind. Nehmen wir an, wir htten es mit
einem solchen unentstellten und unvermischten telepathischen Traum zu
tun, dann erhebt sich eine andere Frage: Soll man ein derartiges,
telepathisches Erlebnis berhaupt einen Traum nennen? Sie werden es
ja gewi tun, solange Sie mit dem populren Sprachgebrauch gehen, fr
den alles Trumen heit, was sich whrend der Schlafzeit in Ihrem
Seelenleben ereignet. Sie sagen vielleicht auch: Ich habe mich im Traum
herumgewlzt und finden erst recht keine Inkorrektheit darin zu sagen:
Ich habe im Traum geweint oder mich im Traum gengstigt. Aber Sie merken
doch wohl, da Sie in all diesen Fllen Traum und Schlaf oder
Schlafzustand unterscheidungslos miteinander vertauschen. Ich meine,
es wre im Interesse wissenschaftlicher Genauigkeit, wenn wir Traum
und Schlafzustand besser auseinanderhielten. Warum sollten wir ein
Seitenstck zu der von _Maeder_ heraufbeschworenen Konfusion schaffen,
der fr den Traum eine neue Funktion entdeckte, indem er die Traumarbeit
durchaus nicht von den latenten Traumgedanken sondern wollte? Wenn wir
also einen solchen reinen telepathischen Traum antreffen sollten, so
wollen wir ihn doch lieber ein telepathisches Erlebnis im Schlafzustand
heien. Ein Traum ohne Verdichtung, Entstellung, Dramatisierung, vor
allem ohne Wunscherfllung, verdient ja doch nicht diesen Namen. Sie
werden mich daran mahnen, da es noch andere seelische Produktionen im
Schlaf gibt, denen man dann das Recht auf den Namen Traum absprechen
mte. Es kommt vor, da reale Erlebnisse des Tages im Schlaf einfach
wiederholt werden, die Reproduktionen traumatischer Szenen im
Traume haben uns erst krzlich zu einer Revision der Traumtheorie
herausgefordert; es gibt Trume, die sich durch ganz besondere
Eigenschaften von der gewohnten Art unterscheiden, die eigentlich nichts
anders sind als unversehrte und unvermengte nchtliche Phantasien, den
bekannten Tagesphantasien sonst durchaus hnlich. Es wre gewi milich,
diese Bildungen von der Bezeichnung Trume auszuschlieen. Aber sie
alle kommen doch von innen, sind Produkte unseres Seelenlebens, whrend
der reine telepathische Traum seinem Begriff nach eine Wahrnehmung von
auen wre, gegen welche sich das Seelenleben rezeptiv und passiv
verhielte.

II. Der zweite Fall, von dem ich Ihnen berichten will, liegt eigentlich
auf einer anderen Linie. Er bringt uns keinen telepathischen Traum,
sondern einen seit Kindheitsjahren rekurrierenden Traum bei einer
Person, die viel telepathische Erlebnisse gehabt hat. Ihr Brief, den ich
nachstehend wiedergebe, enthlt manches Merkwrdige, worber uns zu
urteilen versagt ist. Einiges davon kann fr das Verhltnis der
Telepathie zum Traum verwertet werden.


1.

    ...Mein Arzt, Herr Doktor N., riet mir, Ihnen einen Traum zu
    erzhlen, der mich seit ungefhr dreiig bis zweiunddreiig Jahren
    verfolgt. Ich folge seinem Rate, vielleicht hat der Traum in
    wissenschaftlicher Beziehung fr Sie Interesse. Da nach Ihrer
    Meinung solche Trume auf ein Erlebnis in sexueller Beziehung
    whrend der ersten Kinderjahre zurckzufhren sind, gebe ich
    Kindheitserinnerungen wieder, es sind Erlebnisse, die heute noch
    ihren Eindruck auf mich machen und so nachdrcklich gewesen sind,
    da sie mir meine Religion bestimmt haben.

    Darf ich Sie bitten, mir nach Kenntnisnahme vielleicht mitzuteilen,
    in welcher Weise Sie sich diesen Traum erklren und ob es nicht
    mglich ist, ihn aus meinem Leben verschwinden zu lassen, da er mich
    wie ein Gespenst verfolgt und durch die Umstnde, von denen er
    begleitet ist -- ich falle stets aus dem Bette und habe mir schon
    nicht unerhebliche Verletzungen zugezogen -- sehr unangenehm und
    peinlich fr mich ist.


2.

    Ich bin siebenunddreiig Jahre alt, sehr krftig und krperlich
    gesund, habe auer Masern und Scharlach in der Kindheit eine
    Nierenentzndung durchgemacht. Im fnften Jahre hatte ich eine sehr
    schwere Augenentzndung, nach der ein Doppeltsehen zurckblieb.
    Die Bilder stehen schrg zueinander, die Umrisse des Bildes sind
    verwischt, weil Narben von Geschwren die Klarheit beeintrchtigen.
    Nach fachrztlichem Urteil ist am Auge aber nichts mehr zu ndern
    oder zu bessern. Durch das Zukneifen des linken Auges, um klarer zu
    sehen, hat sich die linke Gesichtshlfte nach oben verzerrt. Ich
    vermag, durch bung und Wille, die feinsten Handarbeiten zu machen;
    ebenso habe ich mir als sechsjhriges Kind das schiefe Sehen vor dem
    Spiegel weggelernt, so da heute von dem Augenfehler uerlich
    nichts zu sehen ist.

    In den frhesten Kinderjahren schon bin ich immer einsam gewesen,
    habe mich von allen Kindern zurckgezogen und habe schon Gesichte
    gehabt (hellhren und hellsehen), habe das aber von der Wirklichkeit
    nicht unterscheiden knnen und bin deshalb oft in Konflikte geraten,
    die aus mir einen sehr zurckhaltenden, scheuen Menschen gemacht
    haben. Da ich schon als kleinstes Kind viel mehr gewut habe, als
    ich hatte lernen knnen, verstand ich einfach die Kinder meines
    Alters nicht mehr. Ich selbst bin die lteste von zwlf
    Geschwistern.

    Von sechs bis zehn Jahren besuchte ich die Gemeindeschule und dann
    bis sechzehn Jahre die hhere Schule der Ursulinerinnen in B. Mit
    zehn Jahren habe ich innerhalb vier Wochen, es waren acht
    Nachhilfestunden, soviel Franzsisch nachgeholt, als andere Kinder
    in zwei Jahren lernen. Ich hatte nur zu repetieren, es war, als ob
    ich es schon gelernt und nur vergessen htte. berhaupt habe ich
    auch spter Franzsisch nie zu lernen brauchen, im Gegensatz zu
    Englisch, das mir zwar keine Mhe machte, das mir aber unbekannt
    war. hnlich wie mit Franzsisch ging es mir mit Latein, das ich
    eigentlich nie richtig gelernt habe, sondern nur vom Kirchenlatein
    her kenne, das mir aber vollkommen vertraut ist. Lese ich heute ein
    franzsisches Werk, dann denke ich auch sofort in Franzsisch,
    whrend mir das bei Englisch nie passiert, trotzdem ich englisch
    besser beherrsche. -- Meine Eltern sind Bauersleute, die durch
    Generationen nie andere Sprachen als deutsch und polnisch gesprochen
    haben.

    _Gesichte_: Zuweilen verschwindet fr Augenblicke die Wirklichkeit
    und ich sehe etwas ganz anderes. In meiner Wohnung sehe ich z.B.
    sehr oft ein altes Ehepaar und ein Kind, die Wohnung hat dann andere
    Einrichtung. -- Noch in der Heilanstalt kam frh gegen vier Uhr
    meine Freundin in mein Zimmer, ich war wach, hatte die Lampe brennen
    und sa am Tische lesend, da ich sehr viel an Schlaflosigkeit leide.
    Stets bedeutet diese Erscheinung fr mich rger, auch dieses Mal.

    Im Jahre 1914 war mein Bruder im Felde, ich nicht bei den Eltern in
    B., sondern in Ch. Es war vormittags 10 Uhr, 22. August, da hrte
    ich Mutter, Mutter von der Stimme meines Bruders rufen. Nach zehn
    Minuten nochmals, habe aber _nichts_ gesehen. Am 24. August kam ich
    heim, fand Mutter bedrckt und auf Befragen erklrte sie, der Junge
    htte sich am 22. August angemeldet. Sie sei vormittags im Garten
    gewesen, da htte sie den Jungen Mutter, Mutter rufen hren. Ich
    trstete sie und sagte ihr nichts von mir. Drei Wochen darauf kam
    eine Karte meines Bruders an, die er am 22. August zwischen neun und
    zehn Uhr vormittags geschrieben hatte, kurz darauf starb er.

    Am 27. September 1921 meldete sich mir etwas in der Heilanstalt an.
    Es wurde zwei- bis dreimal an das Bett meiner Zimmerkollegin heftig
    geklopft. Wir waren beide wach, ich fragte, ob sie geklopft htte,
    sie hatte nicht einmal etwas gehrt. Nach acht Wochen hrte ich,
    da eine meiner Freundinnen in der Nacht vom 26. auf 27. gestorben
    wre.

    Nun etwas, was Sinnestuschung sein soll, Ansichtssache! Ich habe
    eine Freundin, die sich einen Witwer mit fnf Kindern geheiratet
    hat, den Mann lernte ich erst durch meine Freundin kennen. In deren
    Wohnung sehe ich fast jedes Mal, wenn ich bei ihr bin, eine Dame
    aus- und eingehen. Die Annahme lag nahe, da das die erste Frau des
    Mannes sei. Ich fragte gelegentlich nach einem Bilde, konnte aber
    nach der Photographie die Erscheinung nicht identifizieren. Nach
    sieben Jahren sehe ich bei einem der Kinder ein Bild mit den Zgen
    der Dame. Es war doch die erste Frau. Auf dem ersten Bilde sah sie
    bedeutend besser aus, sie hatte gerade eine Mastkur durchgemacht und
    daher das fr eine Lungenkranke vernderte Aussehen. -- Das sind nur
    Beispiele von vielen.

    _Der Traum_: Ich sehe eine Landzunge, von Wasser umgeben. Die Wellen
    werden von der Brandung herangetrieben und wieder zurckgerissen.
    Auf der Landzunge steht eine Palme, die etwas zum Wasser gebogen
    ist. Um den Stamm der Palme schlingt eine Frau ihren Arm und beugt
    sich ganz tief ins Wasser, wo ein Mann versucht, an Land zu kommen.
    Zuletzt legt sie sich auf die Erde, hlt sich mit der Linken an der
    Palme fest und reicht, so weit wie mglich, ihre Rechte dem Manne
    ins Wasser, ohne ihn zu erreichen. Dabei falle ich aus dem Bette und
    wache auf. -- Ich war ungefhr fnfzehn bis sechzehn Jahre, als ich
    wahrnahm, da ich ja selbst diese Frau sei und nun erlebte ich nicht
    nur die Angst der Frau um den Mann, sondern stand manchmal auch als
    unbeteiligte Dritte dabei und sah zu. Auch in Etappen trumte ich
    dieses Erlebnis. Wie das Interesse am Manne wach wurde (achtzehn bis
    zwanzig Jahre), versuchte ich das Gesicht des Mannes zu erkennen, es
    war mir nie mglich. Die Gischt lie nur Nacken und Hinterkopf frei.
    Ich bin zweimal verlobt gewesen, aber dem Kopf und Krperbau nach
    war es keiner dieser beiden Mnner. -- Als ich in der Heilanstalt
    einmal im Paraldehydrausche lag, sah ich das Gesicht des Mannes, das
    ich nunmehr in jedem Traume sehe. Es ist das des mich in der Anstalt
    behandelnden Arztes, der mir wohl als Arzt sympathisch ist, mit dem
    mich aber nichts verbindet.

    _Erinnerungen_:  bis  Jahr alt. Ich im Kinderwagen, rechts mir
    zur Seite zwei Pferde, das eine, ein Brauner, sieht mich gro und
    eindrucksvoll an. Das ist das strkste Erlebnis, ich hatte das
    Gefhl, es sei ein Mensch.

    _Ein Jahr alt._ Vater und ich im Stadtparke, wo mir ein Parkwrter
    ein Vgelchen in die Hand gibt. Seine Augen sehen mich wieder an,
    ich fhle, das ist ein Wesen wie du.

    _Hausschlachtungen._ Beim Quieken der Schweine habe ich stets um
    Hilfe geschrien und immer gerufen: Ihr schlagt ja einen Menschen
    tot (vier Jahre alt). Ich habe Fleisch als Nahrungsmittel stets
    abgelehnt. Schweinefleisch hat mir stets Erbrechen verursacht. Erst
    im Kriege habe ich Fleisch essen gelernt, aber nur mit Widerwillen,
    jetzt entwhne ich mich dessen wieder.

    _Fnf Jahre alt._ Mutter kam nieder und ich hrte sie schreien. Ich
    hatte die Empfindung, dort ist ein Tier oder Mensch in hchster Not,
    ebenso wie ich es bei den Schlachtungen hatte.

    In sexueller Beziehung bin ich als Kind ganz indifferent gewesen,
    mit zehn Jahren gingen Snden wider die Keuschheit noch nicht in
    mein Begriffsvermgen. Mit zwlf Jahren wurde ich menstruiert. Mit
    sechsundzwanzig Jahren, nachdem ich einem Kinde das Leben gegeben
    hatte, erwachte erst das Weib in mir, bis dahin (ein halbes Jahr)
    hatte ich beim Koitus stets heftiges Erbrechen. Auch spter trat
    Erbrechen ein, wenn die kleinste Verstimmung mich bedrckte.

    Ich habe eine auerordentlich scharfe Beobachtungsgabe und ein
    ganz ausnahmsweise scharfes Gehr, Geruch ist ebenso ausgebildet.
    Bekannte Menschen kann ich mit verbundenen Augen unter einem Haufen
    anderer herausriechen.

    Ich fhre mein Mehrsehen und Hren nicht auf krankhaftes Wesen,
    sondern auf feineres Empfinden und schnelleres Kombinationsvermgen
    zurck, habe aber darber nur mit meinem Religionslehrer und Herrn
    Dr.... gesprochen, zu letzterem auch nur sehr widerwillig, weil ich
    mich davor scheute, zu hren, da ich Minuseigenschaften habe, die
    ich persnlich als Pluseigenschaften ansehe, und weil ich durch
    Miverstndnis in meiner Jugend sehr scheu geworden bin.

Der Traum, dessen Deutung uns die Schreiberin auferlegt, ist nicht
schwer zu verstehen. Es ist ein Traum der Rettung aus dem Wasser, also
ein typischer Geburtstraum. Die Sprache der Symbolik kennt, wie Sie
wissen, keine Grammatik, sie ist das Extrem einer Infinitivsprache, auch
das Aktivum und das Passivum werden durch dasselbe Bild dargestellt.
Wenn im Traum eine Frau einen Mann aus dem Wasser zieht (oder ziehen
will), so kann das heien, sie will seine Mutter sein (anerkennt ihn als
Sohn wie die Pharaotochter den Moses) oder auch: sie will durch ihn
Mutter werden, einen Sohn von ihm haben, welcher als sein Ebenbild ihm
gleichgesetzt wird. Der Baumstamm, an den die Frau sich hlt, ist leicht
als Phallussymbol zu erkennen, auch wenn er nicht gerade steht, sondern
gegen den Wasserspiegel geneigt -- im Traum heit es: gebogen -- ist.
Das Andrngen und Zurckfluten der Brandung legte einmal einer anderen
Trumerin, die einen ganz hnlichen Traum produziert hatte, den
Vergleich mit der intermittierenden Wehenttigkeit nahe, und als ich
sie, die noch nie geboren hatte, fragte, woher sie diesen Charakter der
Geburtsarbeit kenne, sagte sie, man stellt sich die Wehen wie eine Art
Kolik vor, was physiologisch ganz untadelig ist. Sie assoziierte dazu:
Des Meeres und der Liebe Wellen. Woher unsere Trumerin die feinere
Ausstattung des Symbols in so frhen Jahren genommen haben kann
(Landzunge, Palme), wei ich natrlich nicht zu sagen. brigens
vergessen wir nicht daran: Wenn Personen behaupten, da sie seit Jahren
von demselben Traum verfolgt werden, so stellt sich oft heraus, da es
manifester Weise nicht ganz derselbe ist. Nur der Kern des Traumes ist
jedesmal wiedergekehrt, Einzelheiten des Inhalts sind abgendert worden
oder neu hinzugekommen.

Am Ende dieses offenbar angstvollen Traumes fllt die Trumerin aus
dem Bett. Das ist eine neuerliche Darstellung der Niederkunft. Die
analytische Erforschung der Hhenphobien, der Angst vor dem Impuls, sich
aus dem Fenster zu strzen, hat Ihnen gewi allen das nmliche Ergebnis
geliefert.

Wer ist nun der Mann, von dem sich die Trumerin ein Kind wnscht oder
zu dessen Ebenbild sie Mutter sein mchte? Sie hat sich oft bemht, sein
Gesicht zu sehen, aber der Traum lie es nicht zu, der Mann sollte
inkognito bleiben. Wir wissen aus ungezhlten Analysen, was diese
Verschleierung bedeutet, und unser Analogieschlu wird durch eine andere
Angabe der Trumerin gesichert. In einem Paraldehydrausch erkannte sie
einmal das Gesicht des Mannes im Traum als das des Anstaltsarztes, der
sie behandelte und der ihrem bewuten Gefhlsleben nichts weiter
bedeutete. Das Original hatte sich also nie gezeigt, aber dessen Abdruck
in der bertragung gestattet den Schlu, da es immer frher der Vater
htte sein sollen. Wie Recht hatte doch _Ferenczi_, als er auf die
Trume der Ahnungslosen als wertvolle Urkunden zur Besttigung unserer
analytischen Vermutungen hinwies! Unsere Trumerin war die lteste von
zwlf Kindern; wie oft mu sie die Qualen der Eifersucht und
Enttuschung durchgemacht haben, wenn nicht sie, sondern die Mutter das
ersehnte Kind vom Vater empfing!

Ganz richtig hat unsere Trumerin verstanden, da ihre ersten
Kindheitserinnerungen fr die Deutung ihres frhen und seither
wiederkehrenden Traumes wertvoll sein wrden. In der ersten Szene vor
einem Jahr sitzt sie im Kinderwagen, neben ihr zwei Pferde, von denen
eines sie gro und eindrucksvoll ansieht. Sie bezeichnet das ihr
strkstes Erlebnis, sie hatte das Gefhl, es sei ein Mensch. Wir aber
knnen uns in diese Wertung nur einfhlen, wenn wir annehmen, zwei
Pferde stnden hier, wie so oft, fr ein Ehepaar, fr Vater und Mutter.
Es ist dann wie ein Aufblitzen des infantilen Totemismus. Knnten wir
die Schreiberin sprechen, so wrden wir die Frage an sie richten, ob
nicht der Vater seiner Farbe nach in dem _braunen_ Pferd, das sie so
menschlich ansieht, erkannt werden darf. Die zweite Erinnerung ist mit
der ersten durch das gleiche verstndnisvolle Ansehen assoziativ
verknpft. Aber das Indiehandnehmen des Vgelchens mahnt den Analytiker,
der nun einmal seine Vorurteile hat, an einen Zug des Traumes, der die
Hand der Frau in Beziehung zu einem anderen Phallussymbol bringt.

Die nchsten beiden Erinnerungen gehren zusammen, sie bieten der
Deutung noch geringere Schwierigkeiten. Das Schreien der Mutter bei
ihrer Niederkunft erinnert sie direkt an das Quieken der Schweine bei
einer Hausschlachtung und versetzt sie in dieselbe mitleidige Raserei.
Wir vermuten aber auch, hier liegt eine heftige Reaktion gegen einen
bsen Todeswunsch vor, welcher der Mutter galt.

Mit diesen Andeutungen der Zrtlichkeit fr den Vater, der genitalen
Berhrungen mit ihm und der Todeswnsche gegen die Mutter ist der Umri
des weiblichen dipuskomplexes gezogen. Die lang bewahrte sexuelle
Unwissenheit und sptere Frigiditt entsprechen diesen Voraussetzungen.
Unsere Schreiberin ist virtuell -- und zeitweise gewi auch faktisch --
eine hysterische Neurotika geworden. Die Mchte des Lebens haben sie zu
ihrem Glck mit sich fortgerissen, ihr weibliches Sexualempfinden,
Mutterglck und mannigfache Erwerbsleistung mglich gemacht, aber ein
Anteil ihrer Libido haftet noch immer an den Fixierungsstellen ihrer
Kindheit, sie trumt noch immer jenen Traum, der sie aus dem Bette wirft
und fr die inzestuse Objektwahl mit nicht unerheblichen Verletzungen
bestraft.

Was die strksten Einflsse spteren Erlebens nicht zustande brachten,
soll jetzt die briefliche Aufklrung eines fremden Arztes leisten.
Wahrscheinlich wrde es einer regelrechten Analyse in lngerer Zeit
gelingen. Wie die Verhltnisse liegen, mute ich mich damit begngen ihr
zu schreiben, ich sei berzeugt, da sie an der Nachwirkung einer starken
Gefhlsbindung an den Vater und der entsprechenden Identifizierung mit
der Mutter leide, hoffe aber selbst nicht, da diese Aufklrung ihr
ntzen werde. Spontanheilungen von Neurosen hinterlassen in der Regel
Narben und diese werden von Zeit zu Zeit wieder schmerzhaft. Wir sind
sehr stolz auf unsere Kunst, wenn wir eine Heilung durch Psychoanalyse
vollbracht haben, knnen aber einen solchen Ausgang in Bildung einer
schmerzhaften Narbe auch nicht immer abwenden.

Die kleine Erinnerungsreihe soll unsere Aufmerksamkeit noch ein wenig
festhalten. Ich habe einmal behauptet, da solche Kindheitsszenen
Denkerinnerungen sind, die zu einer spteren Zeit herausgesucht,
zusammengestellt, und dabei nicht selten verflscht werden. Mitunter
lt sich erraten, welcher Tendenz diese spte Umarbeitung dient. In
unserem Falle hrt man geradezu das Ich der Schreiberin sich mittels
dieser Erinnerungsreihe rhmen oder beschwichtigen: Ich war von klein
auf ein besonders edles und mitleidiges Menschenkind. Ich habe
frhzeitig erkannt, da die Tiere ebenso eine Seele haben wie wir und
habe Grausamkeit gegen Tiere nicht vertragen. Die Snden des Fleisches
sind mir fern geblieben und meine Keuschheit habe ich bis in spte Jahre
bewahrt. Mit solcher Erklrung widerspricht sie laut den Annahmen, die
wir auf Grund unserer analytischen Erfahrung ber ihre frhe Kindheit
machen mssen, da sie voll war von vorzeitigen Sexualregungen und
heftigen Haregungen gegen die Mutter und die jngeren Geschwister. (Das
kleine Vgelchen kann, auer der ihm zugewiesenen genitalen Bedeutung,
auch die eines Symbols fr ein kleines Kind haben, wie alle kleinen Tiere,
und die Erinnerung betont so sehr aufdringlich die Gleichberechtigung
dieses kleinen Wesens mit ihr selbst.) Die kurze Erinnerungsreihe gibt
so ein hbsches Beispiel fr eine psychische Bildung mit zweifachem
Aspekt. Oberflchlich betrachtet, gibt sie einem abstrakten Gedanken
Ausdruck, der hier wie meistens sich auf Ethisches bezieht, sie hat nach
_V. Silberers_ Bezeichnung _anagogischen_ Inhalt; bei tiefer eindringender
Untersuchung erweist sie sich als eine Kette von Tatsachen aus dem Gebiet
des verdrngten Trieblebens, sie offenbart ihren _psychoanalytischen_
Gehalt. Wie Sie wissen, hat _Silberer_, der als einer der ersten die
Warnung an uns ergehen lie, ja nicht an den edleren Anteil der
menschlichen Seele zu vergessen, die Behauptung aufgestellt, da alle
oder die meisten Trume eine solche doppelte Deutung, eine reinere,
anagogische, ber der gemeinen, psychoanalytischen, zulassen. Dies ist
nun leider nicht der Fall; im Gegenteil, eine solche berdeutung gelingt
recht selten; es ist auch meines Wissens bisher nicht ein brauchbares
Beispiel einer solchen doppeldeutigen Traumanalyse verffentlicht
worden. Aber an den Assoziationsreihen, welche unsere Patienten in der
analytischen Kur vorbringen, knnen Sie solche Beobachtungen relativ
hufig machen. Die aufeinander folgenden Einflle verknpfen sich
einerseits durch eine klar zutage liegende, durchlaufende Assoziation,
anderseits werden Sie auf ein tiefer liegendes, geheim gehaltenes Thema
aufmerksam, welches gleichzeitig an all diesen Einfllen beteiligt ist.
Der Gegensatz zwischen beiden in derselben Einfallsreihe dominierenden
Themen ist nicht immer der von hoch-anagogisch und gemein-analytisch,
eher der von _anstig_ und _anstndig_ oder indifferent, was Sie dann
das Motiv fr die Entstehung einer solchen Assoziationskette mit
doppelter Determinierung leicht verstehen lt. In unserem Beispiel ist
es natrlich kein Zufall, da Anagogie und psychoanalytische Deutung in
so scharfem Gegensatze stehen; beide beziehen sich auf das nmliche
Material und die sptere Tendenz ist gerade die der Reaktionsbildungen,
die sich gegen die verleugneten Triebregungen erhoben hatten.

Warum wir aber berhaupt nach einer psychoanalytischen Deutung suchen
und uns nicht mit der nher liegenden anagogischen begngen? Das hngt
mit vielerlei zusammen, mit der Existenz der Neurose berhaupt, mit den
Erklrungen, die sie notwendig fordert, mit der Tatsache, da die Tugend
die Menschen nicht so froh und lebensstark macht, wie man erwarten
sollte, als ob sie noch zuviel von ihrer Herkunft an sich trge -- auch
unsere Trumerin ist fr ihre Tugend nicht recht belohnt worden -- und
mit manchem anderen, was ich gerade vor Ihnen nicht zu errtern brauche.

Wir haben aber bisher die Telepathie, die andere Determinante unseres
Interesses an diesem Fall, ganz beiseite gelassen. Es ist Zeit, zu ihr
zurckzukehren. Wir haben es hier in gewissem Sinne leichter als im
Falle des Herrn G. Bei einer Person, der so leicht und schon in frher
Jugend die Wirklichkeit entschwindet, um einer Phantasiewelt Platz zu
machen, wird die Versuchung berstark, ihre telepathischen Erlebnisse
und Gesichte mit ihrer Neurose zusammenzubringen und aus dieser
abzuleiten, wenngleich wir uns auch hier ber die zwingende Kraft
unserer Aufstellungen nicht tuschen drfen. Wir setzen nur
verstndliche Mglichkeiten an die Stelle des Unbekannten und
Unverstndlichen.

Am 22. August 1914, vormittags zehn Uhr, unterliegt die Schreiberin der
telepathischen Wahrnehmung, da ihr im Feld befindlicher Bruder Mutter,
Mutter ausruft. Das Phnomen ist ein rein akustisches, wiederholt sich
kurz nachher, sie sieht aber nichts dabei. Zwei Tage spter sieht sie
ihre Mutter und findet sie schwer bedrckt, da sich der Junge bei ihr
mit dem wiederholten Ausruf: Mutter, Mutter angemeldet. Sie erinnert
sich sofort an die nmliche telepathische Botschaft, die ihr zur
gleichen Zeit zuteil geworden, und wirklich lt sich nach Wochen
feststellen, da der junge Krieger an jenem Tag, zur bezeichneten
Stunde, gestorben ist.

Es ist nicht zu beweisen, aber auch nicht abzuweisen, da der Vorgang
vielmehr der folgende war: Die Mutter macht ihr eines Tages die
Mitteilung, da sich der Sohn telepathisch bei ihr angezeigt. Sofort
entsteht bei ihr die berzeugung, sie habe um dieselbe Zeit das gleiche
Erlebnis gehabt. Solche Erinnerungstuschungen treten mit zwanghafter
Strke auf, die sie aus realer Quelle beziehen; sie setzen aber psychische
Realitt in materielle um. Das Starke an der Erinnerungstuschung ist,
da sie ein guter Ausdruck fr die in der Schwester vorhandene Tendenz
zur Identifizierung mit der Mutter werden kann. Du sorgst dich um den
Jungen, aber ich bin ja eigentlich seine Mutter. Also hat sein Ausruf
mich gemeint, ich habe jene telepathische Botschaft empfangen. Die
Schwester wrde natrlich unseren Erklrungsversuch entschieden ablehnen
und ihren Glauben an das eigene Erlebnis festhalten. Allein sie kann gar
nicht anders; sie mu an die Realitt des pathologischen Erfolges
glauben, solange ihr die Realitt der unbewuten Voraussetzung unbekannt
ist. Die Strke und Unangreifbarkeit eines jeden Wahns fhrt sich ja auf
seine Abstammung von einer unbewuten psychischen Realitt zurck. Ich
bemerke noch, das Erlebnis der Mutter haben wir hier nicht zu erklren
und dessen Tatschlichkeit nicht zu untersuchen.

Der verstorbene Bruder ist aber nicht nur das imaginre Kind unserer
Schreiberin, sondern er steht auch fr einen schon bei der Geburt mit
Ha empfangenen Rivalen. Weitaus die zahlreichsten telepathischen
Ahnungen beziehen sich auf Tod und Todesmglichkeit; den analytischen
Patienten, die uns von der Hufigkeit und Untrglichkeit ihrer dsteren
Vorahnungen berichten, knnen wir mit ebensolcher Regelmigkeit
nachweisen, da sie besonders starke unbewute Todeswnsche gegen ihre
Nchsten im Unbewuten hegen und darum seit langem unterdrcken. Der
Patient, dessen Geschichte ich 1909 in den Bemerkungen ber einen Fall
von Zwangsneurose erzhlt, war ein Beispiel hiefr; er hie bei seinen
Angehrigen auch der Leichenvogel; aber als der liebenswrdige und
geistreiche Mann -- der seither selbst im Kriege untergegangen ist --
auf den Weg der Besserung kam, verhalf er mir selbst dazu, seine
psychologischen Taschenspielereien aufzuhellen. Auch die im Brief
unseres ersten Korrespondenten enthaltene Mitteilung, wie er und seine
drei Brder die Nachricht vom Tod ihres jngsten Bruders als etwas
innerlich lngst Gewutes aufgenommen, scheint keiner anderen Aufklrung
zu bedrfen. Die lteren Brder werden alle die gleiche berzeugung von
der berflssigkeit dieses jngsten Ankmmlings bei sich entwickelt
haben.

Ein anderes Gesicht unserer Trumerin, dessen Verstndnis vielleicht
durch analytische Einsicht erleichtert wird! Freundinnen haben offenbar
eine groe Bedeutung fr ihr Gefhlsleben. Der Tod einer derselben
zeigte sich ihr krzlich durch nchtliches Klopfen an das Bett einer
Zimmerkollegin in der Heilanstalt an. Eine andere Freundin hatte vor
vielen Jahren einen Witwer mit vielen (fnf) Kindern geheiratet. In
deren Wohnung sah sie regelmig bei ihren Besuchen die Erscheinung
einer Dame, in der sie die verstorbene erste Frau vermuten mute, was
sich zunchst nicht besttigen lie und ihr erst nach sieben Jahren
durch die Auffindung einer neuen Photographie der Verstorbenen zur
Gewiheit wurde. Diese visionre Leistung steht in der nmlichen innigen
Abhngigkeit von den uns bekannten Familienkomplexen der Schreiberin
wie ihre Ahnung vom Tod des Bruders. Wenn sie sich mit der Freundin
identifizierte, konnte sie in deren Person ihre Wunscherfllung finden,
denn alle ltesten Tchter kinderreicher Familien schaffen im Unbewuten
die Phantasie, durch den Tod der Mutter die zweite Frau des Vaters zu
werden. Wenn die Mutter krank ist oder stirbt, rckt die lteste Tochter
wie selbstverstndlich an ihre Stelle im Verhltnis zu den Geschwistern
und darf auch beim Vater einen Teil der Funktionen der Frau bernehmen.
Der unbewute Wunsch ergnzt hiezu den anderen Teil.

Das ist nun bald alles, was ich Ihnen erzhlen wollte. Ich knnte noch
die Bemerkung hinzufgen, da die Flle von telepathischer Botschaft
oder Leistung, die wir hier besprochen haben, deutlich an Erregungen
geknpft sind, welche dem Bereich des dipuskomplexes angehren. Das mag
frappant klingen, ich mchte es aber nicht fr eine groe Entdeckung
ausgeben. Wir wollen lieber zu dem Ergebnis zurckkehren, welches wir
aus der Untersuchung des Traumes in unserem ersten Fall gewonnen haben.
Die Telepathie hat mit dem Wesen des Traumes nichts zu tun, sie kann
auch unser analytisches Verstndnis des Traumes nicht vertiefen. Im
Gegenteil kann die Psychoanalyse das Studium der Telepathie frdern,
indem sie mit Hilfe ihrer Deutungen manche Unbegreiflichkeiten der
telepathischen Phnomene unserem Verstndnis nher bringt, oder von
anderen, noch zweifelhaften Phnomenen erst nachweist, da sie
telepathischer Natur sind.

Was von dem Anschein einer innigen Beziehung zwischen Telepathie und
Traum brig bleibt, ist die unbestrittene Begnstigung der Telepathie
durch den Schlafzustand. Dieser ist zwar keine unumgngliche Bedingung
fr das Zustandekommen telepathischer Vorgnge, -- beruhen sie nun auf
Botschaften oder auf unbewuter Leistung. Wenn Sie dies noch nicht
wissen sollten, so mu das Beispiel unseres zweiten Falles, in dem
der Junge sich zwischen neun und zehn Uhr vormittags anmeldet, es Sie
lehren. Aber wir mssen doch sagen, man hat kein Recht, telepathische
Beobachtungen darum zu beanstnden, weil Ereignis und Ahnung (oder
Botschaft) nicht zur gleichen astronomischen Zeit vorgefallen sind.
Von der telepathischen Botschaft ist es sehr wohl denkbar, da sie
gleichzeitig mit dem Ereignis eintrifft und doch erst whrend des
Schlafzustandes der nchsten Nacht -- oder selbst im Wachleben erst
nach einer Weile, whrend einer Pause der aktiven Geistesttigkeit --
vom Bewutsein wahrgenommen wird. Wir sind ja auch der Meinung, da
die Traumbildung nicht notwendigerweise erst mit dem Einsetzen des
Schlafzustandes beginnt. Die latenten Traumgedanken mgen oft den ganzen
Tag ber vorbereitet worden sein, bis sie zur Nachtzeit den Anschlu
an den unbewuten Wunsch finden, der sie zum Traum umbildet. Wenn das
telepathische Phnomen aber nur eine Leistung des Unbewuten ist,
dann liegt ja kein neues Problem vor. Die Anwendung der Gesetze des
unbewuten Seelenlebens verstnde sich dann fr die Telepathie von
selbst.

Habe ich bei Ihnen den Eindruck erweckt, da ich fr die Realitt der
Telepathie im okkulten Sinne versteckt Partei nehmen will? Ich wrde es
sehr bedauern, da es so schwer ist, solchen Eindruck zu vermeiden. Denn
ich wollte wirklich voll unparteiisch sein. Ich habe auch allen Grund
dazu, denn ich habe kein Urteil, ich wei nichts darber.




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  stellenl Aber an _einer_ Stelle gestattet der Traum eine analytische
  stellen! Aber an _einer_ Stelle gestattet der Traum eine analytische

      hatte ich beim Koitus stets heftiges Erbrechen Auch spter trat
      hatte ich beim Koitus stets heftiges Erbrechen. Auch spter trat

  ]





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entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.net

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
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1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

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electronic work, or any part of this electronic work, without
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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
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request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
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1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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     and discontinue all use of and all access to other copies of
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- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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